Wie funktioniert die Registrierung eines Domainnamens?
Einen Domainnamen zu registrieren ist ein bisschen so, als würde man ein Buch in eine weltweite Bibliothek aufnehmen. Sie wählen einen Titel (den Domainnamen), lassen ihn im zentralen Katalog (der DNS-Registry) eintragen, und ab diesem Moment kann ihn jeder auf der Welt finden. Nur gehört Ihnen das Buch nicht: Sie mieten seinen Regalplatz, Jahr für Jahr. Hören Sie auf zu zahlen, kann jemand anders Ihren Platz einnehmen.
Die vier Akteure im System
Hinter jeder Domain-Registrierung stehen vier Akteure mit klar definierten Rollen:
Der Registrant sind Sie. Die Person oder das Unternehmen, das einen Domainnamen nutzen möchte, sei es für einen Blog, einen Online-Shop oder ein Unternehmensportal.
Der Registrar ist das Unternehmen, über das Sie Ihre Domain mieten. IONOS, Strato, united-domains, Namecheap, GoDaddy sind allesamt Registrare. Sie stellen die Oberfläche bereit, um einen verfügbaren Namen zu suchen, zu reservieren, zu bezahlen und die DNS-Konfiguration zu verwalten. Registrare müssen von der ICANN akkreditiert sein, ein Verfahren, das einen soliden Geschäftsplan, finanzielle Solvenz, sichere Netzwerkarchitektur und Verpflichtungen im Kundenservice erfordert.
Die Registry ist die Organisation, die die zentrale Datenbank einer Domain-Endung betreibt. Verisign betreibt .com und .net. DENIC verwaltet .de. Public Interest Registry verwaltet .org. Jede Endung hat genau eine Registry, und sie weiß jederzeit, welche Domain wem zugeordnet ist. Sie interagieren nie direkt mit einer Registry: Ihr Registrar übernimmt die Vermittlung.
Die ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) beaufsichtigt das Ganze. Diese gemeinnützige Organisation mit Sitz in Kalifornien wurde 1998 von der US-Regierung gegründet und wechselte 2017 zu einem globalen Multi-Stakeholder-Governance-Modell. Die ICANN überwacht Registries, akkreditiert Registrare, verwaltet die DNS-Root-Zone und sorgt für Systemstabilität bei gleichzeitiger Förderung des Wettbewerbs.
Domain-Endungen: gTLDs, ccTLDs und der Rest
Das gesamte DNS fließt von der Root-Zone "." abwärts in die Top-Level-Domains (TLDs). Es gibt zwei Hauptkategorien:
gTLDs (Generic Top-Level Domains) sind thematische Endungen wie .com, .org, .net, .edu, .info sowie die Hunderte neuer Endungen seit 2012 wie .app, .dev, .io oder .shop. Jeder kann eine registrieren, ohne geografische Einschränkung.
ccTLDs (Country Code Top-Level Domains) sind an ein Land oder Territorium gebunden: .de für Deutschland, .at für Österreich, .ch für die Schweiz, .uk für Großbritannien. Es gibt über 300 davon. Einige ccTLDs verlangen einen Bezug zum Land. Andere stehen allen offen und werden wegen ihres einprägsamen Namens zweckentfremdet: .io (Britisches Territorium im Indischen Ozean, von Tech-Startups übernommen, weil IO für Input/Output steht), .fm (Föderierte Staaten von Mikronesien, beliebt bei Radiosendern und Podcasts), oder .tv (Tuvalu, von Medienunternehmen genutzt).
Was passiert, wenn Sie eine Domain registrieren
Der Vorgang wirkt sofort, doch im Hintergrund laufen mehrere Schritte ab:
Sie wählen einen Registrar. Jeder akkreditierte Registrar funktioniert, aber nicht alle unterstützen jede Endung.
Sie suchen einen verfügbaren Namen. Der Registrar befragt in Echtzeit die Datenbank der zuständigen Registry über das EPP-Protokoll (Extensible Provisioning Protocol). Ist der Name frei, wird er Ihnen angeboten.
Sie erstellen oder wählen eine DNS-Zone. Damit die Domain funktioniert, muss irgendwo eine DNS-Zone existieren mit mindestens einem SOA-Record (mit Admin-E-Mail und Primärserver) und mindestens zwei NS-Records, die auf autoritative DNS-Server zeigen. Ihr Registrar kann diese Zone automatisch erstellen, oder Sie hosten sie woanders (Cloudflare, Amazon Route 53, eigene Server). Manche Registrare prüfen die korrekte Konfiguration der Zone, bevor sie die NS-Records in der Registry veröffentlichen.
Sie bezahlen und bestätigen. Die Domain wird für mindestens ein Jahr gemietet. Der Preis reicht von wenigen Euro (eine einfache .com) bis zu mehreren Hundert Euro pro Jahr (Premium-Endungen). Sie geben auch Ihre Kontaktdaten an (WHOIS-Informationen): Name, Adresse, E-Mail. Die ICANN verlangt diese Daten für alle Domains, doch Ihr Registrar wird sie zum Schutz Ihrer Privatsphäre verbergen (gemäß DSGVO in Europa oder über einen WHOIS-Privacy-Dienst).
Der Registrar übermittelt an die Registry. Ihr Registrar sendet die NS-Records Ihrer Domain via EPP an die Registry der Endung. Die Registry fügt sie in ihre Datenbank ein und verbreitet sie über ihre Infrastruktur. Die Domain wird dann im gesamten Internet auflösbar. Diese Propagierung dauert zwischen 20 Minuten und einigen Stunden.
Sie mieten eine Domain, Sie kaufen sie nicht
Vielen ist das nicht bewusst: Niemand "besitzt" einen Domainnamen. Sie sind der Registrant mit exklusivem Nutzungsrecht, solange Sie verlängern und die Nutzungsbedingungen einhalten. Hören Sie auf zu zahlen, durchläuft die Domain mehrere Phasen:
- Ablauf: Die Domain funktioniert nicht mehr. Je nach Registrar haben Sie 0 bis 45 Tage zur kostenfreien Verlängerung
- Redemption Period: Etwa 30 Tage, in denen die Domain mit hohen Wiederherstellungsgebühren (80 bis 150 Euro) noch gerettet werden kann
- Pending Delete: 5 Tage Vorbereitung auf die endgültige Löschung
- Freigabe: Die Domain wird für jeden registrierbar
Spezialdienste wie SnapNames oder DropCatch überwachen auslaufende Domains, um sie im Moment der Freigabe zu greifen. Aktivieren Sie die automatische Verlängerung und halten Sie Ihre Zahlungsdaten aktuell.
DNS-Änderungen nach der Registrierung
Nach der Registrierung gibt es zwei Arten von DNS-Änderungen:
Änderungen innerhalb der Zone (A-Record hinzufügen, MX ändern, Subdomain erstellen) werden direkt in Ihrer DNS-Zone vorgenommen, ohne den Registrar einzubeziehen.
Änderungen an den NS-Records der Zone (DNS-Anbieter wechseln) müssen dem Registrar mitgeteilt werden, der sie an die Registry weiterleitet. Wenn die neuen NS-Server beim Umstieg noch nicht korrekt konfiguriert sind, entsteht eine "Lame Delegation" und die Domain wird unerreichbar. Korrekt ist: Zuerst die vollständige Zone auf den neuen Servern einrichten, prüfen, dass sie korrekt antworten, und erst dann die NS beim Registrar aktualisieren.
Eine Domain übertragen
Die ICANN garantiert das Recht, Domains zwischen Registraren zu transferieren und den Inhaber zu wechseln. Der Standardprozess:
- Domain beim aktuellen Registrar entsperren ("Registrar Lock" deaktivieren)
- Autorisierungscode (Auth Code oder EPP Code) anfordern
- Transfer beim neuen Registrar mit diesem Code starten
- Per E-Mail bestätigen
Der Transfer dauert in der Regel 5 bis 7 Tage. Eine Domain unter 60 Tagen kann nicht transferiert werden. Der Transfer kostet meist ein Jahr Verlängerung, die Restlaufzeit wird übernommen.
Domain vor Diebstahl schützen
Domain-Hijacking ist ein reales Risiko. Ein Angreifer, der Ihre Domain kontrolliert, kann Ihren Traffic umleiten, E-Mails abfangen und das Kundenvertrauen zerstören. Schutzmaßnahmen:
- Starkes, einzigartiges Passwort für Ihr Registrar-Konto
- Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) aktiviert. Besser eine TOTP-App oder ein Hardwareschlüssel als SMS
- Domain-Sperre (Registrar Lock) dauerhaft aktiviert
- Automatische Verlängerung mit aktuellen Zahlungsdaten
Ein Domainname wird nicht gekauft, sondern gemietet. Und diese Miete beruht auf einer Vertrauenskette zwischen Ihnen, Ihrem Registrar, der Registry und der ICANN. Diese Kette unter Kontrolle zu halten ist genauso wichtig wie der Inhalt, den Sie darauf veröffentlichen.